Allgemein

Was ist Höhlenforschung? Dieser Satz erreicht in mancher Diskussionsrunde den gleichen Stellenwert wie eine Titelstory auf Seite eins der Bildzeitung. Ich möchte darauf jetzt nicht weiter eingehen, sondern lediglich die Dokumentation herausheben. Dokumentation, heißt das nicht einen Plan erstellen, eine Raumbeschreibung? Eigentlich kenne ich mich damit viel zu wenig aus – zugegeben. Meiner Meinung nach gehört zur Dokumentation die Höhlenfotografie mit dazu. Nicht unbedingt die Schnappschüsse. Auspacken, abdrücken, einpacken kann jeder – es mag sogar sein, dass dadurch gute Momentaufnahmen entstehen. Jedoch sollten doch letzten Endes Bilder entstehen, welche die Gehirnzellen kitzeln, oder kurz gesagt einfach einen „Ahhhhhhhhh-Effekt“ erzeugen. Viele Höhlen, die Besonderheiten aufweisen, sind leider nicht für jeden, ja manchmal gar nicht zugänglich. Liegt es da nicht nahe, wenigstens eine gute Bilddokumentation zu zeigen, oder treibt man mit solcher nur die Leute in die Höhlen? Bin ich denn nun Höhlentourist oder Höhlenforscher wenn ich mich nach Frankreich begebe, um in der Lachambre zu fotografieren? Sollte ich ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich mir Höhlen im Ausland ansehe, diese fotografiere und nicht das Maßband schwinge? Streitfrage – man nehme den ersten Satz, links oben!

Ich kam wie die Jungfrau zum Kinde, was die Höhlenfotografie anbelangt. Jahre kann man damit verbringen, um die Technik und die Erfahrung auszubauen. War man früher stolz auf ein Bild, so wundert man sich heute darüber, was man damals für ein „Schrott“ produziert hat. Was ich damit sagen will? Ganz einfach: Man wächst mit der Höhlenfotografie. Ständig steigert man seinen Anspruch und meist auch sein Endprodukt – sprich das Bild. Bei manchen Leuten stößt man hier auf Unverständnis, wenn man mit voller Montur anrückt, stundenlang irgendwelche „Blitzknechte“ durch die Halle scheucht „ein wenig weiter links, volle Leistung, ähhh – mist, können wir noch einmal, nicht ganz die volle Leistung...“ Ich habe Bilder von solchen Blitzgehilfen die technisch perfekt wären, Tiefenschärfe, Farben, Ausschnitt, wäre da nicht das genervte Gesicht. Meist aber sind dann beim Vorzeigen von gelungenen Aufnahmen, auch für die Gehilfen die Strapazen vergessen und die Unverständnis wandelt plötzlich in Verständnis.

Ich habe mich mal umgeschaut, ob über die Höhlenfotografie schon viel geschrieben worden ist. Wer die englischen Sprache beherrscht, dem empfehle ist das Buch „Images Below“ von Chris Howes. Erstaunt über die Wenigkeit in deutscher Sprache, werde ich mich nun in den tiefen Sumpf der Technik begeben. Die folgenden Ausführungen spiegeln meine eigene Meinung und Technik wieder. Sie sollen insbesondere Fotoneulingen den Schritt in die Höhlenfotografie erleichtern und als Erfahrungsaustausch dienen. Für Anregungen und anderen Meinungen habe ich immer ein (sehr) offenes Ohr.

Um nicht den Rahmen zu sprengen, beschränke ich mich auf das Wesentliche.

Kamera

Vier Kameratypen stehen zur Auswahl, welche positive und negative Seiten vorweisen können. Erstens die Kompaktkamera, zweitens die Spiegelreflexkamera ohne Autofokus, drittens die Spiegelreflexkamera mit Autofokus. Es gibt die Option analog oder digital. Letztere Option hat inzwischen den Markt erobert und hat die Bildqualität der analogen Technik inzwischen erreicht.

Zuerst die Kompaktkamera
Zu viel sollte man nicht erwarten. Es gibt zwar einige Fotografen die damit recht annehmbare Resultate erzielen, aber man hat keine Möglichkeit, manuelle Einstellungen vorzunehmen. Das Einsatzgebiet erstreckt sich hauptsächlich auf einfache Dokumentation (auch mit Sklavenblitz) sowie auf Schnappschüsse.
Vorteile: Kostengünstig, kaum anfällig, nicht zeitaufwendig, platzsparend.
Nachteile: meist nur mittlere Bildqualität, begrenzter Brennweitenbereich, Blitz direkt an der Kamera (Nebeleffekt), kaum oder keine manuelle Einstellmöglichkeiten.

Die Spiegelreflexkamera ohne Autofokus
Immer noch sehr beliebt unter den Höhlenfotografen, bietet sie doch optimale Einstellmöglichkeiten. In Verbindung eines guten MF-Objektives (MF für manuell Fokus) erreicht man sehr gute Bildqualität. MF-Spiegelreflexkameras sind gebraucht zum teil sehr günstig zu haben. Vorteile: relativ kostengünstig, kaum anfällig (wenig Elektronik), zum Teil sehr solide, gute Bildqualität, einige Modelle verfügen über TTL-Blitzsteuerung. Nachteile: zum Teil lange Einstellzeiten, gewisses Grundlagenwissen notwendig

Die Spiegelreflexkamera mit Autofokus
Die neuere Variante, Kameras besitzen automatische Scharfstellung, sowie TTL-Blitzsteuerung. Ebenfalls sehr gute Bildqualität in Verbindung mit einem guten AF-Objektiv (AF steht für Autofokus). Vorteile: kürzere Einstellzeiten, geringerer Ausschuß, gute Bildqualität. Nachteile: empfindlicher gegen hohe Luftfeuchte und Schmutz, meist teurer, gewisses Grundlagenwissen notwendig

Für qualitativ hochwertige Bilder ist daher eine Spiegelreflex (mit oder ohne AF) die beste Wahl. Marken wie Minolta, Nikon, Canon oder Pentax sind feste Größen auf dem Fotomarkt und bieten hervorragende Kameras! Die Einstellmöglichkeiten an einer Spiegelreflex sind einfach ideal. So kann z.B. die Verschlußzeit (wie lange wird der Film belichtet) und die Blende (Größe des Lichteinfalls) manuell eingestellt werden. Die Blitzsynchronzeit einer Kamera ist noch ein wesentlicher Punkt. Ältere Kameras schaffen eine Verschlußzeit von bis zu 1/60 s., neuere bis 1/300 s. Diese Zeit stellt die kürzeste Zeit dar, bei der mit Blitz eine richtige Belichtung gelingt!

Objektiv

Noch fast wichtiger als das Kameragehäuse ist ein gutes Objektiv. Eine Kamera trägt nicht unmittelbar zur Qualität eines Bildes dazu bei. Letzten Endes ist ein lichtstarkes Objektiv, welches eine gute Abbildungsqualität besitzt, ausschlaggebend für ein gutes Bild. Es gibt mehrere Arten von Objektiven. Gleich vorweg: die beste Qualität hat eine Festbrennweite. Festbrennweite bedeutet, dass der Ausschnitt nicht verändert werden kann. Man muß sich zum oder weg vom Motiv bewegen um den Ausschnitt festzulegen. Solche Objektive besitzen meist die bessere Qualität, vergleicht man sie mit Zoom's.


Wer nicht zwingend Festbrennweiten benötigt, kann sich für Zoomobjektive in Höhlen entscheiden. Ein Objektiv, zum Beispiel mit einer Brennweite von 28-105mm, deckt einen großen Bereich ab und besitzt (je nach Marke und Geldbeutel) eine annehmbare Qualität. Mit 28 mm haben wir einen beachtlichen Weitwinkel, mit dem wir auch größere Räume ablichten können und mit 105 mm haben wir bereits ein leichtes Tele, um bestimmte Nahaufnahmen gelingen zu lassen. Die Abbildungsqualität ist zufriedenstellend und der Geldbeutel nicht allzu sehr belastet. Sogenannte Superobjektive (Suppenobjektive) die zum Beispiel einem Brennweitenbereich von 24-300mm abdecken, sollte man kritisch begegnen. Um so größer der Brennweitenbereich eines Objektiv, um so schlechter die Qualität! Bei Bedarf kleinerer oder größerer Brennweiten, empfiehlt es sich eher mehrere Objektive zu erwerben, um den gesamten Brennweitenbereich abzudecken. Beispiel: Weitwinkelbereich 19-35mm, Standardbereich 28-105mm, Telebereich 100-300mm. (Dies gilt nicht nur für die Höhlenfotografie!)


Ein wichtiges Kaufargument für ein Objektiv stellt die Lichtleistung dar. Licht ist knapp in Höhlen, also sollte man hier nicht geizen. So ist z.B. ein 28-105mm 2.8-3.5 (f) lichtstärker als ein 28-105mm 3.5-4.5 (f). Dies erkennt man an der sogenannten Anfangsblende (f). 2.8 steht für die größte Blende bei 28mm, 3.5 für die größte Blende bei 105mm. Die Blende regelt den Lichteinfall. So hat eine Blende 2.8 einen großen Lichteinfall und Blende 22 ein sehr kleinen Lichteinfall. Ebenso resultiert daraus die Tiefenschärfe. Blende 2.8 geringe Tiefenschärfe, Blende 22 große Tiefenschärfe. Vergessen sollte man nicht den Schutz der Optik. Eine Sonnenblende oder ein UV-Filter sind in Höhlen meist von Vorteil. Allerdings lassen viele Profis nicht immer einen Filter auf dem Objektiv - jeder Filter verschlechtert die Abbildungsqualität! Wie stark? Finden Sie es selbst heraus. Diese Entscheidung müssen Sie selbst treffen!

Blitz

Der Blitz ist ein weiterer sehr wichtiger Faktor. Der Aufsteckblitz (direkt auf der Kamera), sowie der sogenannte „Sklavenblitz“ (nicht auf der Kamera) dürfen in keiner Ausrüstung fehlen! Ein Blitz sollte je nach Kamera diverse Eigenschaften vorweisen. Ist die Spiegelreflexkamera überwiegend mechanisch, sind manuell einstellbare Blitze, oder sogenannte Computerblitze eine Möglichkeit. Bei neuwertigen Kameras kommen TTL, sowie AF-Hilfsgitter (nur AF-Kameras) hinzu.

Drei wesentliche Einstellmöglichkeiten am Blitz sind zu unterscheiden.
TTL bedeutet „through the lens“ (durch die Linse). Löst der Blitz aus, so wird das ausgestrahlte Licht von der Kamera gemessen. Bei erreichen der benötigten Lichtstärke wird der Blitz von der Kamera dann abgestellt. Eigentlich die ideale Lösung, hätte das Prinzip nicht seine bestimmte Fehlerquellen. So wird bei schwarzem oder weißem Hintergrund oft falsch gemessen. Eine Fehlbelichtung ist die Folge, zum Glück relativ selten.

TTL-Messung


Computerblitze (oder Automatik) messen durch einen eigenen Sensor die abgegebene Lichtleistung und stellen bei erreichen des Sollwertes sich von selbst ab. Nachteil ist, dass die Filmempfindlichkeit und die Blende am Blitz eingestellt werden müssen, was eine potentielle Fehlerquelle darstellt.

Computerblitz mit Sensor

Die manuelle Einstellung erklärt sich von selbst. Alles muss eben von Hand eingestellt werden. Der Brennweitenbereich muss bei älteren Blitzen ebenfalls meist von Hand auf die Einstellung des Objektives angepasst werden. Bei neueren Modelle geht das zumeist automatisch. Bei hoher Brennweite verlängert sich die Reichweite und bei geringer Brennweite verringert sich die Reichweite eines Blitze. Das resultiert daraus, dass die beleuchtete Fläche beim 28mm mehr in die Breite geht (großer Winkel), wo hingegen bei 105mm die Fläche mehr in die Länge (spitzer Winkel).

Die Reichweite verringert sich bei 28mm, da die auszuleuchtende Fläche zunimmt!


Die Leitzahl eines Blitzes (meist im Namen erhalten, so zum Beispiel Metz 40mz 3i) gibt die maximale Lichtleistung des Blitzes an. Meist bezieht sich die sogenannte Leitzahl auf die höchste Brennweite des Blitzes bei ISO 100/21°. Beispiel: Der Metz 40mz 3i hat eine Reichweite von 40m bei 105mm und ISO 100/21°. So erreicht ein Blitz mit der Leitzahl 40 bei Blende 4 eine Reichweite von 10m. Dies ist meist auf den Blitzen durch Einstellscheiben abzulesen. Es gibt auch beim manuellen Blitzen eine Formel, welche es ermöglicht die benötigte Kamerablende selbst zu errechnen. Ist zum Beispiel das gewünschte Objekt 5 Meter entfernt, benötigt man Blende 8 an der Kamera, Leitzahl 40 / 5m = 8 Blende. Das AF-Hilfsgitter hat nichts mit der Lichtleistung zu tun, sondern stellt eine Hilfe für die Autofokuskamera zur Scharfstellung dar (vor allem bei größeren Entfernungen!). Während des Fotografierens bieten sich Gefrierbeutel als Schutz für die Blitze an. So hat man die Schutzfunktion vor Feuchte und Schmutz und man muss bei der Bedienung den Blitz nicht vollständig auspacken, da die Folien durchsichtig sind.

Film

Der Film ist ebenfalls ein wichtiger Faktor der gerne unterschätzt wird! Grundsätzlich muss man als erstes festlegen, ob man Diafilm oder Negativfilm benutzt. Mit beidem zu arbeiten erscheint nicht sehr sinnvoll. Beide Filmarten habe diverse Vor- und Nachteile. Profis tendieren zum Diafilm. Man kann Dias besser präsentieren und die Entwicklung weißt keine große Veränderungen zwischen unterschiedlichen Fotolaboren auf. Die Qualität ist meist besser, da ein Verarbeitungsschritt weniger anfällt. Beim Negativfilm wird vom Negativ das Papierbild abgezogen. Beim Diafilm entfällt dieser Kopiervorgang. Zum Scannen sind Dias deshalb meist auch besser geeignet. Beim Negativfilm sind die Papierabzüge vom Negativ meist von sehr schlechter Qualität, komischerweise wird dies von den meisten Kunden klaglos akzeptiert. Eventuell sollte man diverse Labore testen, um später das Labor seiner Wahl zu finden, welches gute Qualität erzielt. Möchte man grundsätzlich nur Papierbilder machen, ist der Abzug vom Negativfilm aber meist besser als vom Diafilm.


Jeder Film (ob Dia oder Negativ) hat eine sogenannte Empfindlichkeit. ISO 100/21° und ISO 200/24° gelten heute im allgemeinen als Standardfilm. Um so höher die ISO (früher ASA) Zahl ist, um so empfindlicher ist der Film, sprich es wird weniger Licht benötigt um die ideale Belichtung zu erzielen. Logischerweise ist der 200er Film doppelt so empfindlich wie ein 100er, er benötigt also nur die Hälfte der Belichtungszeit oder eine Blendenstufe weniger um das gleiche Resultat zu erreichen. So könnte man meinen ein 1000er Film wäre ideal für Höhlen. Leider hat ein so empfindlicher Film einen gravierenden Nachteil. Die Körnigkeit nimmt bei empfindlicheren Filmen extrem zu (die Struktur des Korns wird sichtbar), sprich die Bilder wirken unschärfer und rauher. Deshalb sollte man den Film so unempfindlich wie möglich wählen. Man kann das gut ersehen wenn man zwei Filme testet. Einen mit ISO 50 und einen mit ISO 400 oder gar 1000. Danach lässt man Papierabzüge (etwa 20x30cm) erstellen. Ein gravierender Unterschied wird feststellbar sein! Meine eigene Erfahrung hat gezeigt, das 100er Filme im allgemeinen ausreichen. Sollte weniger Licht greifbar sein geht auch der 200er Film, in Notfällen der 400er. Für Nahaufnahmen ziehe ich einen 50er heran (z.B. der Fuji Velvia – einfach genial!), da weniger Blitzleistung verlangt wird.

Zubehör

Das Zubehör bei der Höhlenfotografie darf man im allgemeinen nicht außer acht lassen. Eine stabile Transportbox ist sicher ein wichtiger Punkt. Ob nun eine runde Plastikbox, eine Bundeswehrmunitionskiste aus Blech, oder eine neuartige Pelibox, spielt im wesentlichen keine große Rolle. Hauptsache dicht! Was unbedingt hineingehört sind diverse Tücher um notfalls die Kamera(linse) zu reinigen. Am besten wickelt man die Kamera damit ein und erzielt dadurch noch zusätzlich eine gewisse Stoßminderung. Ersatzbatterien und Filmreserven sollten nicht in der Transportbox fehlen. Viele schwören darauf, dass nur mit Stativ die wahren Bilder entstehen. Voraussetzung ist, das man mehr Zeit einplant und dies im Gepäck unterbringen kann. Da die Sklavenblitze keinen direkten Kontakt zur Kamera haben, kann man als Zubehör auch die (Sklaven-)Blitzauslöser zählen. Sie funktionieren mit lichtempfindlichen Fotozellen. Löst ein Blitz aus, werden die anderen dadurch auch aktiviert, ohne das eine Kabelverbindung zur Kamera besteht. Hier gibt es die sogenannten Firefly’s welche aus Großbritannien stammen und wirklich sehr gut sind. Sie stellen andere Auslöser wie von Hama oder Metz weit in den Schatten. Sie haben eine enorme Reichweite, allerdings auch einen stolzen Preis. Ein Firefly pro Blitz, bei 3 Blitzen macht das auch gleich um die 150 Euro.

Diese Ausarbeitung stellt wie gesagt mein Wissensstand dar. Ich bin nicht fehlerfrei!!! Gerne lasse ich mir Tips und Tricks geben! Also wer bei manchen gesagten Dingen anderer Meinung ist, darf mir das gerne mitteilen!!!